Es gibt diesen einen Moment, den ich bei fast jedem Burgbesuch mit meiner Tochter erlebe: Wir stehen vor dem ersten Torbogen, sie schaut nach oben zu den Zinnen – und plötzlich ist sie nicht mehr in Wanderschuhen unterwegs, sondern auf dem Weg zu einem echten Abenteuer. Genau das liebe ich an Burgen und Schlössern als Ausflugsziel: Kaum ein anderer Ort verwandelt Geschichte so mühelos in Fantasie.
Inhalt
- Warum Burgen bei Kindern so gut ankommen
- 1. Burg Eltz (Rheinland-Pfalz)
- 2. Marksburg bei Braubach (Rheinland-Pfalz)
- 3. Schloss Neuschwanstein (Bayern)
- 4. Burg Hohenzollern (Baden-Württemberg)
- 5. Die Wartburg bei Eisenach (Thüringen)
- 6. Dornröschenschloss Sababurg (Hessen)
- Tipps für den Burgbesuch mit Kindern
- Häufige Fragen zu Burgenbesuchen mit Kindern
- Fazit: Geschichte, die man erleben statt nur lesen kann
Deutschland hat mehr als 25.000 Burgen und Schlösser zu bieten: von schroffen Ruinen bis zu prächtig erhaltenen Anlagen mit eigener Ritterrüstungssammlung. Ich habe für Sie sechs besonders kinderfreundliche Ziele zusammengestellt, quer durchs Land, die alle eines gemeinsam haben: Sie machen Geschichte für Kinder greifbar statt nur erzählbar.
Warum Burgen bei Kindern so gut ankommen
Bevor wir losziehen, kurz meine persönliche Beobachtung als Kultur-Redakteurin und Mutter: Kinder brauchen keine trockenen Jahreszahlen, um sich für Geschichte zu begeistern. Sie brauchen Rüstungen zum Anfassen, geheime Gänge zum Entdecken und Geschichten mit Rittern, Burgfräulein und einer Prise Gefahr. Fast alle Burgen auf dieser Liste bieten genau das: spezielle Kinder- oder Familienführungen, oft mit Verkleidung, Schatzsuche oder eigenem Wappen zum Mitnehmen.
1. Burg Eltz (Rheinland-Pfalz)
Mitten in der Eifel, versteckt in einem Seitental der Mosel, thront die Burg Eltz auf einem Felssporn – so fotogen, dass sie einst auf dem 500-Mark-Schein abgebildet war. Was die Burg besonders macht: Sie wurde in ihrer über 850-jährigen Geschichte nie erobert oder zerstört und ist bis heute im Besitz derselben Adelsfamilie, mittlerweile in der 34. Generation.

Was Kinder erwartet: Bei der Führung geht es durch Rittersaal, Waffenkammer, Schlafgemächer und Schatzkammer – auf Wunsch im Rahmen einer speziellen Kinderführung, bei der die Kleinen erfahren, wie schwer eine echte Ritterrüstung war und ob eine Burg eigentlich eine Heizung hatte.
Praktisch:
- Öffnungszeiten: Ende März/Anfang April bis 1. November, täglich 9:30–17:30 Uhr (letzter Einlass 17:00 Uhr)
- Eintritt: Erwachsene 14 €, Schüler/Studierende 7 €, Kinder unter 6 Jahren frei; ermäßigte Tickets für Familien und Gruppen ab 20 Personen
- Anfahrt: Parkplatz in Wierschem, von dort ca. 15 Minuten Fußweg durch den Wald oder Pendelbus (2 € pro Strecke, Mai–Oktober an Wochenenden/Feiertagen)
- Website: burg-eltz.de
- Tickets: nur direkt an der Tageskasse vor Ort, kein Online-Vorverkauf
Rechnen Sie für die reguläre Führung eher mit Grundschulalter – kleinere Kinder brauchen etwas Geduld für die knapp 40 Minuten.
2. Marksburg bei Braubach (Rheinland-Pfalz)
Von den einst 40 Burgen entlang des Mittelrheins ist die Marksburg die einzige, die nie zerstört wurde. Das bedeutet: Hier sehen Sie eine Ritterburg fast im Originalzustand – kein Wiederaufbau, kein Nachbau, sondern echtes Mittelalter.
Was Kinder erwartet: Die Kinderführung “Hannes auf der Suche nach dem verlorenen Amulett” verwandelt den Rundgang in eine kleine Schatzsuche durch Küche, Rittersaal, Kemenate und die einschüchternde Rüstkammer mit 14 lebensgroßen Rittern. Manche Guides überreichen den kleinen Besuchern sogar den großen Burgschlüssel zur “sicheren Aufbewahrung” während der Führung.
Praktisch:
- Öffnungszeiten: Sommersaison (ca. Ende März bis Anfang November) täglich 10–17 Uhr, Wintersaison täglich 11–16 Uhr
- Eintritt: Erwachsene rund 7 €, Kinder (6–18 Jahre) rund 5 €, Familienkarte rund 16 €, Kinder unter 6 Jahren frei (Richtwerte, aktuelle Preise auf der Website prüfen)
- Wichtig: Die Burg ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen (ca. 50 Minuten), Tickets gibt es direkt vor Ort im Souvenir-Shop; nur Sonderführungen wie die Kinderführung müssen vorab online gebucht werden
- Anfahrt: Fußweg vom Ort Braubach oder über den Burgenlehrpfad
- Website: marksburg.de
3. Schloss Neuschwanstein (Bayern)
Das wohl bekannteste Schloss Deutschlands im Allgäu ist zwar streng genommen kein echtes Ritterschloss, sondern ein Traumbauwerk von König Ludwig II. aus dem 19. Jahrhundert. Aber genau das macht es für Kinder so faszinierend: Die Silhouette diente Walt Disney als Vorlage für sein berühmtes Logo, und Ludwigs Märchenschloss inspirierte die Kulissen von “Cinderella” und “Dornröschen”. Seit 2025 zählt Neuschwanstein sogar offiziell zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Was Kinder erwartet: Im Winterhalbjahr (Mitte Oktober bis Ende März) gibt es freitags eigene Rundgänge für Vorschulkinder, bei denen sie erfahren, wie König Ludwig II. lebte – inklusive Bastelbogen für eine eigene Königskrone zum Mitnehmen.
Praktisch:
- Öffnungszeiten: Sommer (Ende März bis Mitte Oktober) täglich 9–18 Uhr, Winter (Mitte Oktober bis Ende März) täglich 10–16 Uhr; geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember sowie 1. Januar
- Eintritt: Erwachsene 14,50 €, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre in Begleitung eines Erwachsenen frei
- Tickets: Online-Vorverkauf dringend empfohlen (Ticket Center Hohenschwangau vergibt Restkarten nur tageweise und meist früh ausverkauft), Reservierungen vor Ort nicht möglich
- Website: hohenschwangau.de
- Hinweis: Fotografieren ist im Schlossinneren nicht erlaubt
Planen Sie für Anfahrt, Fußweg zum Schloss und Führung einen ganzen Vormittag oder Nachmittag ein.
4. Burg Hohenzollern (Baden-Württemberg)
Schon von Weitem ist sie zu erkennen: Die Burg Hohenzollern thront auf einem freistehenden Berg über der Schwäbischen Alb und ist der Stammsitz der einstigen preußischen Königsfamilie. In der Schatzkammer wartet unter anderem die preußische Königskrone.

Was Kinder erwartet: Neben den klassischen Führungen durch die Prunkräume gibt es spezielle Familien- und Kinderführungen, bei denen Kinder in Prinzen- oder Prinzessinnenumhänge schlüpfen dürfen. Mindestens genauso spannend wie die Innenräume finden viele Kinder das Erkunden der Kasematten – der unterirdischen Verteidigungsgänge der Burg.
Praktisch:
- Öffnungszeiten: täglich ab 10 Uhr, letzter Einlass in die Burganlage 17 Uhr, in die Schauräume 17:30 Uhr
- Eintritt: Erwachsene 22 €, ermäßigt 12 €, Kinder (12–17 Jahre) 10 €, Kinder bis 11 Jahre frei, Familienkarte 45 €
- Tickets: ausschließlich online über das Ticket-Portal der Burg buchbar, tagesaktuelle Kontingente, keine Kassa vor Ort
- Anfahrt: gebührenpflichtiger Parkplatz am Fuß der Burg, hinauf zu Fuß (ca. 15–20 Minuten) oder saisonal mit dem Pendelbus
- Website: burg-hohenzollern.com
Rundherum lohnt sich die Schwäbische Alb für weitere Ausflüge, etwa zum Abenteuerpark bei Schloss Lichtenstein.
5. Die Wartburg bei Eisenach (Thüringen)
Hoch über Eisenach gelegen, vereint die Wartburg gleich mehrere Geschichten: höfisches Rittertum, das Leben der Heiligen Elisabeth und die Lutherstube, in der Martin Luther in nur zehn Wochen das Neue Testament ins Deutsche übersetzte. Seit 1999 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Was Kinder erwartet: Die Familienführung ist speziell auf junge Besucher zugeschnitten und endet oft mit einem echten Highlight: Am Schluss dürfen die Kinder Kettenhemden und Ritterhelme anfassen. In den Ferien gibt es zusätzlich Workshops wie “Pinselritter, Farbfeen”, bei denen Kinder ein eigenes Familienwappen gestalten und mit Siegel und Urkunde mit nach Hause nehmen dürfen.
Praktisch:
- Öffnungszeiten: ganzjährig geöffnet, Sommersaison (April–Oktober) etwa 8:30–17 Uhr, Wintersaison (November–März) etwa 9–15:30 Uhr (Außenanlagen und Burghöfe sind kostenlos zugänglich)
- Eintritt: Erwachsene rund 12 €, Kinder ab 6 Jahren rund 5 €, Kinder unter 6 Jahren frei, Familienkarte (Eltern mit schulpflichtigen Kindern) rund 29 €
- Familienführungen: täglich, meist um 11 und 14 Uhr, Dauer etwa 45–60 Minuten
- Website: wartburg.de
Für den Kinderwagen gilt: bis zum Burghof kein Problem, im Inneren wird es wegen der Treppen etwas knifflig – am besten eine Trage einplanen.
6. Dornröschenschloss Sababurg (Hessen)
Mitten im Reinhardswald an der Deutschen Märchenstraße liegt die Sababurg, die als Vorlage für das Grimmsche Märchen “Dornröschen” gilt: Als die Burg im 17. Jahrhundert verfiel, wuchs sie mit einer dichten Dornenhecke zu – daher der Name. An ausgewählten Sommertagen wird das Märchen sogar live im ehemaligen Rittersaal unter freiem Himmel nachgespielt.
Was Kinder erwartet: Neben Märchenführungen liegt direkt unterhalb der Burg der Tierpark Sababurg, einer der ältesten Deutschlands, mit Wisenten, Luchsen und einer Greifvogelstation. Ein perfekter zweiter Programmpunkt für den Tag.
Praktisch:
- Öffnungszeiten: Ostern bis Oktober, täglich ca. 10–17 Uhr; Führungen meist mittwochs und sonntags am Nachmittag
- Eintritt: Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren rund 2,50 €, Kinder (5–15 Jahre) rund 1,50 €, Teilnahme an einer Führung zzgl. rund 3,50 €
- Kombi-Tipp: Der Tierpark Sababurg mit Greifvogelschau liegt direkt unterhalb der Burg und lohnt einen eigenen Eintritt
- Website: erlebnis-sababurg.de
- Wichtig: Das Land Hessen saniert die Sababurg derzeit schrittweise, einzelne Bereiche können daher zeitweise eingeschränkt zugänglich sein. Prüfen Sie vor der Anreise den aktuellen Stand auf der Website der Stadt Hofgeismar.
Tipps für den Burgbesuch mit Kindern
- Feste Schuhe einpacken: Viele Burghöfe haben unebenes Kopfsteinpflaster, manche Wege sind steil oder über Treppen zu erreichen.
- Auf Kinderführungen achten: Nicht jede Burg bietet sie täglich an – ein Blick auf die Website vor dem Besuch lohnt sich, oft ist eine Anmeldung nötig.
- Zeitpuffer einplanen: Rechnen Sie neben der Führung selbst noch Zeit für Burghof, Fußweg und eventuell einen Souvenirshop ein. Kleine Ritter und Burgfräulein wollen selten sofort wieder gehen.
- Wissen vorab spielerisch aufbauen: Ein kurzes Ritter- oder Burgen-Bilderbuch auf der Hinfahrt weckt die Vorfreude und macht die Führung vor Ort noch verständlicher.
Häufige Fragen zu Burgenbesuchen mit Kindern
Ab welchem Alter lohnt sich eine Burgführung? Die meisten Familienführungen sind ab etwa 5 Jahren konzipiert. Jüngere Kinder genießen oft schon den Burghof, die Aussicht und den Weg dorthin, auch ohne die komplette Innenführung mitzumachen.
Muss man Tickets vorab buchen? Bei sehr beliebten Zielen wie Schloss Neuschwanstein ist eine Online-Buchung dringend empfohlen, da Restkarten vor Ort begrenzt sind. Bei kleineren Burgen reicht meist der Kauf an der Tageskasse.
Sind Burgen kinderwagentauglich? Das ist von Burg zu Burg sehr unterschiedlich. Höfe und Außenanlagen sind oft gut befahrbar, im Inneren der historischen Gebäude gibt es aber fast immer Treppen und Stufen.
Fazit: Geschichte, die man erleben statt nur lesen kann
Ob Märchenschloss, Ritterburg oder Weltkulturerbe – Burgen und Schlösser sind für mich eines der schönsten Beispiele dafür, wie Geschichte lebendig wird, wenn Kinder sie mit allen Sinnen erleben dürfen. Ich kann Ihnen nur empfehlen, bei der nächsten Reiseplanung bewusst eine Burg auf die Route zu nehmen. Manchmal ist es genau dieser eine Tag zwischen Zugbrücke und Rittersaal, an den sich Kinder Jahre später noch erinnern.
Welche Burg hat bei Ihren Kindern schon einmal die Fantasie besonders angeregt? Ich freue mich über Ihre Tipps in den Kommentaren!